Der Klettersteig in Adelboden

Bekanntlich bin ich ein Freak, der gerne mehr erlebt als andere.

Natürlich würde ich nie etwas riskantes Unternehmen. (Falls mein Arbeitgeber den Blog liest :))

Cristina nennte mein Verhalten in der Zwischenzeit ADHS 2.0, das ist die Weiterentwicklung von ADHS.

Klettersteig

Wird im Gebirge ausgeübt, ist ein neuer Trend für Liebhaber der Natur.

Es wird ein „Gstältli“ Klettergurt, Steigset (Einmal Ausgelöst muss man ein neues kaufen), Handschlinge, Helm, Alpinwanderschuhe und Handschuhe* benötigt (*können auch aus dem Baumarkt sein).

Wer schon einmal im Hochseilpark war, der hat den Vorteil, dass er die Technik kennt.

Wie beim Klettern gibt es verschiedene Schwierigkeitsgrade K1-5.

„Via Ferrata“ ist für Klettersteigliebhaber der Begriff, dies bedeutet nichts anderes als Klettersteig auf Italienisch.

Wichtig vorab:

Bist du unerfahren, dann such dir einen Bergführer! Übernimm dich auf keinen Fall!

Bist du einmal in der Wand, kommst du von da nicht mehr so schnell raus, folgende Optionen hättest du dann:

-Zurück klettern, falls überhaupt noch möglich

-Bergrettung, die dich abseilt oder mit dir weiter klettert

-Ein Helikopter, falls möglich, der dich aus der Wand fliegt

Die unteren Punkte kosten sicherlich mehr, als wenn du einmal zurücksteckst.

Allmenalp

Schwierigkeit K4

Martin = überschätzt sich völlig

Tinu und Martin (bedeutet auf Berndeutsch das gleiche) von der Talstation hoch zum Einstieg in den Kletterstieg.

Ich bin schon öfters eine Seillänge (40m) geklettert, gebouldert und auch in der Halle geklettert. Auch beim Hochseilpark hatte ich nie irgendwelche Probleme. Doch an diesem Tag entsteht keine Freundschaft zwischen mir und der Allmenalp.

Neben der Hauptroute (Auch Kletterweg genannt) ist ein grosser Wasserfall der rauscht. Spätestens jetzt wird einem bewusst, dass wir mitten in der Natur sind.

Der Einstieg: beim Metallseil an der Wand hängt man sich mit seinem Karabiner ein und geht eine steile Eisleiter hoch. Kurz danach, steht man auf einzelnen Armierungseisen und wackelt vor sich hin. Das Ganze geht rasant weiter in die Höhe.

Ein extrem aufregender Moment! Zirka 100 Meter hoch über- und neben mir, überquert man auf einem Seil, den tobenden Wasserfall. In mir drin fängt die Nervosität an zu pochen. Ich frage Tinu ob es im Notfall eine Ausstiegschance gibt, er erklärt mir mit angenehmer Stimme (unbezahlbare tolle Eigenschaft), erst nach der ersten Passage hoch oben bei der Wiese.

Mein Blick zur Wiese „SCHOCK“ ich realisiere- FUCK, das sind mindestens noch 300 höhen Meter.

Leute, ich bin ein verdammt sportlicher Typ und sehe überhaupt keine Schwierigkeiten bei solch einer Aktivität, doch meine Psyche löste die speziellsten Zitterbewegungen in mir aus, dich ich bis heute eher selten erlebt habe. Mein Knie wackelte unkontrollierbar hin und her, weil mein Kopf sich nicht eingestehen konnte, das ich auf einem Metallstück stehe und dies an der fallenden Wand hält.

Jetzt war es wieder soweit, der scheiss Moment wo ich mich entscheiden muss. Hin und her, dies alles in Tausendstelsekunden. Natürlich mit dem Druck im Nacken, dass hinter mir schon die nächsten zehn Alpinisten warten und hochklettern wollen. (Ausweichmöglichkeiten gibt es wenige)

Hätten die Alpinisten Gedankenblasen gehabt, hätte man sicherlich nichts positives lesen können.

So habe ich mich dazu entschieden, die paar Meter wieder zurückzukehren. Mein Gedanke lag bei den Alpinisten, wie peinlich dieser Moment aktuell ist. Soll ich mich Tod stellen oder wie komme ich hier am schnellsten weg? 🙂

Zum Glück war Tinu so freundlich und erklärte mir mit verschiedenen Situationen, dass dies auch den besten Kletterer schon passiert ist. (Eine nette Geschichte)

Wir kehrten zum Fahrzeug zurück und fuhren zu einem anderen Klettersteig.

Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir eine Wanderung gemacht. Doch wir hatten schliesslich für das Klettersteigen abgemacht, so viel mir keine vernünftige Ausrede ein. Zudem wollte ich über meine Grenzen wachsen. Was mir sicherlich mit der Entscheidung gelungen ist.

Engstligenalp

Schwierigkeit K2

Hier ist der Zustieg etwas länger, doch die komplette Route war wesentlich einfacher. Deshalb war dieser Kletterseig auch etwas überlaufen von Eltern mit Kindern. Deshalb musste man öfters vor schwereren Passagen warten.

Hier liegt der Zustieg auch neben einem Wasserfall, doch man ist nie überhängend in der Wand. Zudem klettert man permanent am Fels und nie auf Armierungseisen.

Exkurs: es gibt lustige Menschen, die mit den Sportturnschuhen oder mit ihren Kindern (ungefähr 4 Jahre alt) hoch geklettert sind. Dies ist aus meiner Sicht nicht nur egoistisch von den Eltern, sondern auch fahrlässig.

Der Höhepunkt dieser Tour ist definitiv, vorausgesetzt man ist aufmerksam, das Edelweiss. Was für eine wunderschöne Pflanze!

Auf der Alp angekommen, hat man die Möglichkeit in unterschiedliche Alpen einzukehren und deren Fleisch, Käse und sonstige selbst hergestellte Produkt zu konsumieren.

Für Familien gibt es auch den bekannten Globi Weg, zudem können die Kinder mit der Globi- Gondelbahn hochfahren. Das muss ein tolles Erlebnis sein.

Fazit:

Vielleicht gehe ich das nächste Mal kleinere Schritte, dafür muss ich keine schweren Entscheidungen treffen.

Hast auch du schon einmal ein Klettersteig ausprobiert? Oder willst du noch mehr Informationen?

Video

Hier noch ein Video, welches ich über die Allmenalp gefunden habe.